Mit jeder Geschichte entstehen neue Fragen. Und mit jeder Geschichte wird deutlicher, wie wenig wir bisher über diese Erfahrungen gesprochen haben.
Mehrere sagen, dass jetzt – 37 Jahre nach der Wende – endlich die Zeit dafür gekommen sei.
Endlich.
Dieses Wort fällt mehr als einmal.
Endlich werden Fragen gestellt, die lange niemand gestellt hat.
Endlich ist Raum für Erinnerungen, die bisher kaum Platz hatten.
Während ich zuhöre, fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Das
LESESTOFF zum 09. November.
Von Schubladen, Attributen und Irrtümern.
Dann kam diese aufregende Zeit. Revolution lag in der Luft – Unruhe, Nervosität, Mut. An einem Montag bin ich mit meinem Vater nach Leipzig gefahren, zur Demo. Tausende Menschen. Wir liefen über den Ring.
Mächtig war das.
Ungekannt.
Stark.
Eine Liebeserklärung an das Weitermachen, das Improvisieren – und an alle, die einfach machen, statt lange zu reden.
Neulich habe ich das wieder mal erlebt.
Jemand fragte mich: „Und du, wo kommst’n du eigentlich her?“
Ich: „Aus’m Osten. Früher Bezirk Leipzig, heute Thüringen.“
Er nickt, als hätte er das eh gewusst: „Ja, siehste. Hmmm.“
Und da war sie wieder, diese besondere Verbindung.